Ja ja, genau.

Jung geblieben

mit einem Kommentar

In der Partei der Jungebliebenen ist Fräulein Rudas freilich nicht die einzige Identifkationsfigur: mit ihren 36 Lenzen ist Tanja Wehsely praktisch erst aus dem Ei geschlüpft. Die große Schwester Sonja ist unter anderem für die Genderung der Hinweistafeln bekannt – eine Errungenschaft für die Rechte der Piktogrammweibchen weltweit.

Mit der Wahl der Millenium City als Ort der Jugend hat sie immerhin etwas Sebastian Kurz voraus, der das „Freiraum“ mit einer Auswahl von zwei Dutzend Champagnersorten für ein Jugendlokal hält. Über die Strategien der Jugendlichen zur Nutzung der Shopping Malls hat sie zwar eher in einem Aufsatz gelesen als in Realität beobachtet, dafür glänzt sie kurz darauf mit einer dialektischen Meisterleistung: „Wenn wer ähnliche Argumente benutzt wie die Jugend selber und sich dabei als 40-jähriger Spitzenpolitiker im österreichischen Parlament nicht deppert vorkommt, dann ist das ein Niveau, das man faktisch nicht unterschreiten kann.“ All die Frustration über die FPÖ-Jungwähler und deren politische Einstellungen wird mit einem „ähnlich“ verschleiert. Nicht die Argumente der (verallgemeinerten) „Jugend“ sind niveaulos, sondern die „ähnlichen“ Argumente Straches, worin auch immer dieser Unterschied bestehen mag.

Dass noch niemand den touristischen Nutzen der Einwanderung bemerkt hat ist genauso unverständlich: „Dass auf der Straße viel Türkisch gesprochen wird, ist das ein Integrationsproblem? In New York fährt man nach Chinatown, damit man so etwas erleben kann.“ In Wien braucht man bloß nach Brigittenau fahren um den 100. Handyshop und den 200. Kebapstand erleben zu können. Auch interessante Fragen zur Immigration der Iren in die USA werden aufgeworfen: „In Chicago feiern sie gerade groß den St. Patrick’s Day, wo alle, die in der 130. Generation einmal irisches Blut hatten, sagen, sie seien irisch.“ Manche scheinen also schon vor Christi Geburt angekommen zu sein. Von solch kleinen Übertreibungen abgesehen, ist es bemerkenswert, wie gerne die USA beim Thema Migration bemüht werden. Da ist es gleichgültig, dass Amerika mit seinen Weiten Fluchtziel unterschiedlicher Nationalitäten die sich gegen die Kolonialmächte behaupteten, während Österreich-Ungarn als „Völkerkerker“ empfunden wurde, und das Überbleibsel Österreich mühsam ein eigenes, leicht kränkelndes Nationalitätsgefühl entwickelte. Aber vielleicht empfindet es Frau Wehsely ja als tröstlich an die Diskriminierung der Iren im 19. Jahrhundert zu denken.

Geschrieben von jajagenau

15. April 2009 um 9:27

Elegie in Rot

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Während die JVP Goethe entdeckte und „Spice ist Scheiss“ reimte, bewies Laura Rudas in Betrachtung des NR-Wahlergebnisses, dass Realitätsverlust auch ohne Drogen möglich ist: „Keine Angst, ich werde mich dem Strache spätestens bei der Wien-Wahl direkt entgegenstellen. Ich verspreche: Wir werden darum kämpfen, uns jede einzelne junge Stimme wieder zurückholen – das ist keine Frage. Das Wahlergebnis ist eine Warnung die angekommen ist, jetzt hole ich mir die Wählerinnen und Wähler zurück – egal aus welcher Position.“

Die derzeitige Position war der Grund, weshalb der Wahltermin dann doch in 2010 belassen wurde und die SPÖ Stumpfsinn achiffiert wie Hausordnung
Dem ging vermutlich voraus: „Der Alltag des Bürgermeisters ist wie eine Schachtel Pralinen. Die mit Alkoholfüllung sind bereits weg.“ Wenn man schon dabei ist, sollen auch die werberischen Großtaten Faymanns nicht unerwähnt bleiben:

Insbesondere um die Arbeitsplätze bei der Gewista. Wenn die Aufträge von privater Seite schon zurückgehen, ist es beruhigend, auf die Unterstützung der SPÖ zählen zu dürfen. (Die „phase1″ im Dateinamen lässt auf Weiteres hoffen.)

Um wieder auf Rudas zurückzukommen: Im Zuge der Koalitionsverhandlungen 2006 sprach sich die Mehrheit der SJ gegen Zugeständnisse bei den Koalitionsverhandlungen aus. Rudas, als das gute Parteivorstand-Anhängsel das sie ist, meinte hingegen: „Natürlich muss man bei den Verhandlungen Kompromisse eingehen.“ (http://chilli.cc/index.php?id=64-1-436) Das Ergebnis: Die ÖVP erhielt die Agenden Inneres, Äußeres, Finanz, Wirtschaft und Familien, die SPÖ den Kanzler unter einem schwachen Gusenbauer. Aber Rudas ist nicht nachtragend, und so hatte sie der SJ bereits nach der NR-Wahl 2008 verziehen, Recht behalten zu haben: „Die SJ ist sehr kritisch, Systemen gegenüber, Entscheidungen gegenüber, der SPÖ gegenüber, auch mir gegenüber. Das ist eine Kontrolle, die gut ist. Aber im Wahlkampf hat man gesehen, dass der Zusammenhalt da ist.“ Lauras Anerkennung hat die SJ sicher gefreut, schließlich macht sich Loyalität bei der SPÖ bezahlt, besonders wenn sie den Parteioberen gilt und der Onkel Andreas Rudas heißt. Schließlich gibt es so viele „superengagierte“ und tolle Leute, „man muss sie lassen! In Wien war es damals der Bürgermeister, der gesagt hat „ich lasse eine 22-jährige Laura Rudas als Gemeinderätin zu“.“ (CHiLLi.cc) Da dauert es bestimmt nicht mehr lange, bis die Altvorderen die Jusos im Nationalrat zulassen, um sich dann von ihnen gegen den Karren fahren zu lassen.

Aber vielleicht wird’s ja was mit der Zukunftswerkstätte. Ursprünglich für Herbst ‘08 angekündigt um dann auf Weihnachten verschoben zu werden, ist es inzwischen merkwürdig still um die rote Perspektivengruppe geworden. Dabei sollen sowohl die Beteiligten als auch die Offenheit des Komitees eine Überraschung werden. Und was soll man sagen: die Beteiligten sind noch immer eine Überraschung und dass das Komitee nach wie vor so offen ist hätte auch niemand geglaubt. Obwohl, vielleicht ja eigentlich schon: denn wenn die Partei ihren Think-Tank als Ausgedinge für eine erfolglose Quereinsteigerin verwendet um ihn dann nach 20jährigem Bestehen sterben zu lassen, ist das ein gewisser Hinweis auf die innerparteilichen Priorität. Immerhin: inzwischen hat jemand bemerkt, dass auf der Website noch immer Gertraud Knoll als Hauptverantwortliche angeführt, und im Gewinnspiel Kofi Annan als UNO-Generalsekretär gefragt ist. Die Startseite wurde vor kurzem geändert, wen die alte Seite interessiert kann unter http://www.diezuk.at/ireds3/page.php?P=10173 die Entdeckungsreise beginnen.

Geschrieben von jajagenau

14. April 2009 um 12:14

Elegie in Schwarz

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Tatsächlich hat es der Parteinachwuchs der CDU/CSU in den vergangenen zehn Jahren nicht vermocht, sich vom pentranten Dunst eines „Karrierevereins“ zu befreien. Ihre Jugendpolitik hatte nie den Stellenwert eigener Inhalte oder Perspektiven. Sie beschränkte sich darauf, mit zielgerichteten Methoden mehr oder minder wie eine Werbeagentur Jungwählern Positionen der Unionsparteien näherzubringen. So mit Disco-Parties in der Stadt und Skatturnieren auf dem Lande. Lediglich parteiintern mischte die konservative Jugendgarde bei den obligaten Ränkespielen gehörig mit.
Du hast keine Chance aber nutze sie, Reimar Oltmanns

Oltmanns Report erschien 1980 und beschreibt die Situation der Jugendlichen im Deutschland der 70er Jahre. Dass man bald 30 Jahre später die Unterschiede zur JVP mit der Lupe suchen muss, mag eine gewisse Sicherheit geben, auch wenn es nicht begeistert.

Aber wie war das doch gleich, nach der Nationalratswahl 2008. Rot und Schwarz hatten ein weiteres mal in trauter Zweisamkeit zusammengefunden, das LIF legte den finalen Bauchfleck hin, das BZÖ wurde ein letztes Mal von Jörg Haider ins Ziel gezogen, die Wunschvorstellungen der Grünen machten ein weiteres Mal Bekanntschaft mit der Realität. Und „die Jugend“? Die lief ins Dritte Lager über. Die ganze Jugend? Nein, ein kleiner Teil wählte weiterhin tapfer die Grünen, während die Masse der „bildungsfernen Schichten“ zu FPÖ und BZÖ überlief. Die Reaktionen?

Fuhrmann stellt in einem Interview auf CHiLLi.cc fest, dass die JVP doch „nicht die Marketing-Abteilung der ÖVP“ ist. Sie verlässt sich bei der Beurteilung ihrer Wahlkampfbestrebungen bloß auf ein Fachblatt der Marketingbranche, das ihr bescheinigt die beste Kampagne geführt zu haben. Warum dann ausgerechnet ihre Zielgruppe der ÖVP davongelaufen ist? Die politische Großwetterlage, kein Geld für Direct-Mailung und kein für Alkohol! Schließlich sponsert bei der JVP „niemand Getränke um Riesen-Beträge. Die JVP hat das nie gemacht, weil wir das Geld dafür gar nicht haben. Es ist auch ein wesentlicher Unterschied, ob eine Partei einmal ein Clubbing veranstaltet, oder ob ein Spitzenkandidat Nacht für Nacht Parolen streut und mit dem Geld um sich wirft.“ Und „wenn auf der anderen Seite Spitzenkandidaten in Diskotheken gehen und dort nach der Reihe Sektkübelrunden zahlen. Das heiße ich absolut nicht gut. Wenn Jugendpolitik daran gemessen wird, in welchen Diskotheken sich ein Spitzenkandidat herumtreibt, in den Diskos Geldscheine verteilt und exzessiven Alkoholkonsum finanziert, finde ich das letztklassig. Das ist absolut verantwortungslos.“

Aber keine Angst Silvia, Jugendpolitik wird doch nicht daran gemessen, jedenfalls nicht von deinem Marketingfachblatt. Aber gut zu wissen, dass sich die FPÖ-Wähler unter 30 zur Gänze in der Nachtschicht herumtreiben um sich für den Wahltag von Strache abfüllen zu lassen. Und dass die JVP davon nicht bloß Abstand nimmt, weil in ihrem Budget weniger Geld für Alkohol vorgesehen ist, sondern auch weil man über solchen Dingen steht.

Da macht es Mut zu wissen, dass zumindestens bei einem JVP-Funktionär keine Geldknappheit herrscht: Sebastian Kurz hat immerhin genügend, um auf derstandard.at das Freiraum für „eines der spannendsten Jugendlokale in Wien“ zu halten.

im restaurant der cocktail,
an der bar das steak,
das frühstück um mitternacht,
im alten sofa der champagner.

das ist freiraum!
http://www.freiraum117.at/Home

Geschrieben von jajagenau

12. April 2009 um 8:00

Mediengeschichte

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Mediengeschichte

Ja, es war haarscharf. Es ging um wenige Minuten, um zwei noch fehlende Fotos. Um noch nie dagewesene Aktualität. Und um Druckqualität, wie sie sonst nur ein Hochglanz-Magazin bietet.

Noch nie zuvor hat eine österreichische Tageszeitung das gewagt, was Sie heute mit Ihrem „Heute“ in Händen halten: eine umfassende Berichterstattung über ein wichtiges Spitzen-Ereignis in dieser eben erst vorübergegangenen Nacht, über diesen Opernball. Mit allen aktuellen Fotos, mit allen aktuellen Texten. Und: auf Hochglanzpapier.

Das ist ein wichtiges Statement in Österreichs Mediengeschichte, das nur dank neuester Technik unserer Druckerei (Herold), des großartigen Engagements unserer Redakteure, Fotografen und Layouter, aber auch dank des großen Vertrauens unserer Herausgeberin Dr. Eva Dichand und unseres Geschäftsführers Wolfgang Jansky in die Mannschaft gesetzt werden konnte. Es war ein Wagnis – so wie unsere europaweit beachtete topaktuelle korrekte Berichterstattung über den Ausgang des US-Präsidentenwahlkampfs am 5.11.

Mein Dank gilt dem ganzen Team. Und Ihnen, liebe Leser: Denn Ihre Treue macht dies alles erst möglich.

Wenn die Heute-Redaktion auf einer 4-Blatt-Ummantelung berichten darf wie am „Ball der guten Hoffnung“ für eine Trendwende getanzt wurde, was braucht es dann noch ein Hochglanzmagazin (LiVE), erträgliches Deutsch oder einen Bezug zur Realität. Vor dem Grad an Banalität verstummt noch der ärgste Zyniker und es kommen einem „Die letzten Tage der Menschheit“ in den Sinn, in denen von einer anderen Großtat des Zeitungswesens berichtet wurde:

„Der Wunsch, die genaue Zeit festzustellen, die ein im Walde stehender Baum braucht, um sich in eine Zeitung zu verwandeln, hat dem Besitzer einer Harzer Papierfabrik den Anlaß zur Ausführung eines interessanten Experiments gegeben. Um 7 Uhr 35 Minuten ließ er in dem der Fabrik benachbarten Walde drei Bäume fällen, die nach Abschälung der Rinde in die Holzstoffabrik transportiert wurden. Die Umwandlung der drei Holzstämme in flüssige Holzmasse ging so schnell vor sich, daß bereits um 9.39 Uhr die erste Rolle Druckpapier die Maschine verließ. Diese Rolle wurde mittels Automobil unverzüglich nach der vier Kilometer entfernten Druckerei einer Tageszeitung geschafft, und bereits um 11 Uhr vormittags wurde die Zeitung auf der Straße verkauft. Demnach hatte es nur eines Zeitraumes von 3 Stunden 25 Minuten bedurft, damit das Publikum die neuesten Nachrichten auf dem Material lesen konnte, das von den Bäumen stammte, auf deren Zweigen die Vögel noch am Morgen ihre Lieder gesungen hatten.“

Geschrieben von jajagenau

21. Februar 2009 um 6:47

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